Galerie Kai Hoelzner
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Heute Morgen

9. Dezember 2010 bis 29. Januar 2011

 

 
 

 

„Be a square“ - 2010
Recitation, 16:23 min.
(Voice: Ewa)

listen to: Be a square

 

 

 
 

 
 

„Holzer, Kruger, Lawler, Fraser“ - 2010
Emulsion paint on papering table
4 pieces, each 100 x 60 cm

 

 
   
 

„Jenny“ - 2010
Papering table, dress
170 x 60 x 80 cm

 

 
   
 

o.T., - 1993
Digital print
(Andrea)
105 x 105 cm

 

 
   
 

„Holzer, Kruger, Lawler, Fraser“ - 2010
Emulsion paint on papering table
4 pieces, each 100 x 60 cm

and

„Jenny“ - 2010
Papering table, dress
170 x 60 x 80 cm

 
     
     
     
     
     
     
 

"Heute Morgen"

9. Dezember 2010 bis 29. Januar 2011

"Heute Morgen": Zitat des Zitats. Titel der seit 1998 veröffentlichten Werkgruppe Rainald Goetz', in der u.a. "Rave", "Jeff Koons" und "Abfall für Alle" erschienen sind. Vollständig lautet er: "Heute Morgen, um 4 Uhr 11, als ich von den Wiesen zurückkam, wo ich den Tau aufgelesen habe." Der reichlich schräge Satz ist eigentlich ein von Harald Schmidt eine Zeit lang wiederholter Running Gag, ein seinerseits schon Innerlichkeit, Sensibilität und Authentizität verarschendes "Sprechen als ob".

Die Ausstellung "Heute Morgen" zeigt eine Reihe von Arbeiten, die sich diskursiv mit der Entstehung der ersten in Köln veranstalteten "Gegenmesse" auseinandersetzen, die 1992 und 1993 unter dem Namen "Unfair" eine subkulturelle Alternative zur offiziellen Kölner Kunstmesse formulierte. Mit einer Reihe von Arbeiten untersucht "Heute Morgen" die Ursprünge und Bedingungen dieses "Dagegen" und geht den Ereignissen nach, die dazu führten, dass "Unfair" ins Leben gerufen wurde.

Kern dieser Untersuchung bildet eine Passage eines von Jutta Koether geführten Interviews mit Martin Kippenberger, das in der dritten Ausgabe der 'Texte zur Kunst' im Sommer 1991 veröffentlich wurde, und in dem die damalige Situation mit den Worten beschrieben wird, Kunst würde nicht mehr gemacht, sondern nur noch betrachtet. "Die amerikanischen Frauen sind darin Spezialisten. Von Holzer, Kruger, Lawler bis Fraser. Die gucken sich Kunst an und arbeiten darüber, und das ist dann die Kunst von heute. Es wird nicht mehr gehäkelt, wie Rosemarie Trockel es machte, als Abgesang auf das 'Machen weiblich', und es wird nicht einfach stumpf gemalt, 'Machen männlich': sondern erklärt, geforscht, dargestellt."

"Heute Morgen" versteht sich dabei zugleich als experimentelle Anordnung zur Überprüfung der Frage, ob die von Kippenberger beschriebene  Verschiebung nicht in letzter Konsequenz einen Rollentausch auch für die Präsentationsorte der Kunst bedeutet. Ist Kunstproduktion möglich, ohne dass sich ihre Produzenten zuvor als Künstler konstituiert haben? Wie fühlt sich das an, wenn kein persönlicher Produzent zur Hand ist? Und warum wurde einer Galerie eigentlich die Teilnahme an der Art Cologne versagt, nur weil eine Künstlerin der Galerie sich für eine gewisse Zeit als Galeristin ausgegeben hat, um den Besuchern in dieser Rolle ein paar Sätze aus Pierre Bourdieus "Feinen Unterschieden" unterzuschieben?