Galerie Kai Hoelzner
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Svenja Kreh "CRAY"

10. September bis 20. Oktober 2012

 
 

 


Evangelist,   2010, ink on paper, 50 x 40,5 cm

 

Svenja Kreh - Cray; Labour, 2012 (exhibition view)

 

Svenja Kreh - Cray; Labour, 2012 (exhibition view)

 

Svenja Kreh - Cray; Labour, 2012 (exhibition view)

 

Born With a Different Face, 2006 , ink on paper, 245 x 310 cm

 

When evening had fallen (part II), 2011, ink on paper, 50 x 40,5 cm

 

When evening had fallen (part I), 2011, ink on paper, 50 x 40,5 cm

 

The Madonna on the Crescent Moon, 2012, ink on paper, 50 x 35 cm

 

One Step from Earth, 2012, ink on paper, 40,5 cm x 50 cm

 

St. Anne, the Virgin and the Child with  St. Catherine and Barbara
(Nach Israhel van Meckenheim), 2011, ink on paper, 78 x 58 cm

 

One of Us,  2012, ink on paper, 34 x 27 cm

 

 

 
   
 

 

CRAY

Das war er also, der Pornosommer 2012: Von Shades of Grey bis zum Haus der Löcher hatten wir uns durch gelesen und waren nun bereit, selbst durch irgend solch ein Loch in einer Leinwand zu verschwinden.

Hans Belting hatte uns in Florenz und Bagdad bereits auf Albertis unerwartete Inversion hingewiesen, die immersive Komponente perspektivischer Malerei zur Ovid’schen Gestalt des Narziss in Beziehung zu setzten. Gemälde seien, so Alberti, der Oberfläche reinen Wassers ähnlich, auf der sich die dreidimensionale Welt in der Fläche abbilde. Im Gegensatz zur Spiegelung führt das Eintauchen in ein gemaltes Bild aber nicht dazu, dass sich Narziss im Bild verliert, sondern bewirkt vielmehr seine Konstitution als Subjekt. Dadurch, dass dem Betrachter ein spezifischer Ort innerhalb des Bildes zugeteilt wird, kann er sich seiner selbst durch den Blick auf die gemalte Welt gewahr werden. Mit der Entdeckung zentralperspektivischer Darstellungsweisen träte die Kunst, so schlussfolgerten wir, gewissermaßen in ihr Spiegelstadium ein.

Kaum hatte Svenja die ersten der sämtlich mit den Gesichtern zur Wand aufgestellten Arbeiten umgedreht, zog es uns wurmlochartig in die Bilder hinein, und wir landeten direkt in ihrer Existenz. Von dort schauten wir uns das Draussen durch Augen- oder Nasenlöcher – so genau konnte man das in der vielfach übermalten Dunkelheit zunächst nicht erkennen – von innen heraus an. Maschinenteile und kammerartige Architekturen waren da zu erkennen, Vorhänge und Augen in einer Menge, dass man sie gleich in ein Einmachglas einlegen wollte. Am Ende dann traten uns halb- und zwischengeschlechtliche Wesen entgegen, teils noch aus den Schriften bekannt, teils einfach nur Geister. Aber kaum, dass wir sie berühren wollten, wurden wir vollgeschleimt wie die Ghostbuster an einer Autobahnauffahrt aus dem Auto geworfen.

Aber something strange in the neighbourhood waren wir als gläubige Marxisten sowieso gewohnt, die Welt auf ihren produktiven Ursprung hin zu denken. Was blieb, war die Frage, wie sich Albertis Narziss-Deutung in den Produktionsbedingungen von Bildern widerspiegeln. Würde man bereits beim Zeichnen und Malen seiner selbst gewahr werden? Oder fände man sich da fraktalisiert, zerstückelt und zur Kunst gezwungen in einem Keller-Atelier wieder und müsste sich die Fähigkeit zur Bildproduktion mit größeren Geldbeträgen, amputierten Körperteilen oder sexuellen Gefälligkeiten vom Schicksal erkaufen? Die Tinte selbst war Blut geworden und fand sich in Svenjas Bildern in Aderngeflechten und pumpenden Herzen wieder.

 

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