Galerie Kai Hoelzner
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Stephan Gripp

Parents and Friends

April 14th – May 19th 2012

 

"Isaac", c-print, 50 x 50 cm, 2012, ed. 3

 

Installation view: Stephan Gripp "Parents & Friends", Galerie Kai Hoelzner, 2012

 

"Lucy", mixed media (steam iron modified with timer, wooden pedestal), 22 x 22 x 150 cm, 2012, ed. 3

 

"Shameless", inkjet print on paper, 280 x 380 cm, 2012, ed. 3

 

„Otis", c-print, 50 x 50 cm, 2012, ed. 3

 

Installation view: Stephan Gripp "Parents & Friends", Galerie Kai Hoelzner, 2012

 

Installation view: Stephan Gripp "Parents & Friends", Galerie Kai Hoelzner, 2012

 

"Merlin", c-print, 50 x 50 cm, 2012, ed. 3

 

 

 
 

Er hatte sich das Kunstfeld in Folge einer glücklichen Kindheit in einem reformpädagogischen Internat im Odenwald immer als landwirtschaftliche Angelegenheit vorgestellt und war nun regelrecht erschrocken über die ihm nahegelegte militärische Konnotation des Begriffs. Dennoch war es natürlich kein Zeichen von Friedfertigkeit, den bourdieuschen Terminus des Feldes für seine Anwendung auf das Kunstsystem mit der Begründung zurückzuweisen, dieser sei martialisch aufgeladen und reduziere den Kunstbetrieb auf eine agonale Struktur. Im Gegenteil.

Tatsächlich ging ja von der mentalen Botanisier-Trommel neokonservativer Zeitgenossen eine viel größere Gefahr aus als von einem militärisch aufgefassten Feldbegriff. Wo eben noch privatistisch-nostalgisch die Rückwendung auf zwiegenähtes Schuhwerk, Vatis Rasierwasser oder Muttis Hermès-Tasche als unpersönliche Form ödipaler Auseinandersetzungen nervte, hatten sich in der Zwischenzeit von ihm zunächst ignorierte Cliquen organisiert, die, den biopolitischen Gegebenheiten in der Kunst Rechnung tragend, auf dem heimischen Dachgarten familiäre Strukturen im so genannten Kunstfeld züchteten. Übrigens Bio, schmunzelte er, und ließ den Flashback von noch euterwarmer Kuhmilch abklingen, der ihn jedes Mal befiel, wenn er im Biomarkt vorm Kühlregal stand. Man bringt seine Kinder zur selben Schule, kennt sich aus Hamburg oder Düsseldorf, vom Tennis her oder aus der Tempo-Zeit. Wurde ja inzwischen auch wieder geheiratet in der Kunst. Und Townhouses? Mein Gott, Townhouses… wo war denn da das Problem jetzt nochmal gewesen?

Wer zum ersten Mal in der Factory auftauchte, sich mit fünfzehn in der Nähe eines Backstage-Bereichs herumdrückte oder mit neunzehn eine Galerie betrat, konnte dabei prinzipiell keine Freunde gebrauchen, hörte er sich später am Telefon sagen. Das sei schon jedem klar gewesen, dass der Fährmann keinen Familientarif kenne, dass es immer nur einzeln hinüber ginge auf die andere Seite. Die neuerliche Inflation von Begriffen wie Freundschaft oder Familie dürfe daher auch weniger mit webbasierter Freundschaft 2.0 zu tun haben als vielmehr damit, dass er wie die meisten einfach viel zu oft und viel zu lange an der Bushaltestelle, der Backstage-Treppe oder in der Schlange vorm Club herumgestanden hatte. Und erst, als man drin war, so Stephan weiter, merkte man, dass man dort im besten Fall gar nichts zu suchen hatte, im schlimmsten Fall aber sogar hoch willkommen war.

Ich hörte ihn einen Moment lang ins Telefon atmen. „Avalon war die Platte, mit der alles Scheisse wurde.“ Ich hatte nie rausgefunden, was zuerst da war: Der Roman von Marion Zimmer Bradley, der mir mit fünfzehn von meiner Mutter geschickt wurde, oder das Album von Roxy Music, das mir zum selben Weihnachtsfest in einem Paket mit zwei Lacoste-Hemden und 200 Mark von meinem Vater zugestellt wurde. Und um ehrlich zu sein: Ich wollte es auch gar nicht mehr wissen.

Wir würden uns freuen, sie am Freitag, den 13. April ab 19 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung „Parents and Friends“ von Stephan Gripp begrüßen zu dürfen.

 
 

 

 

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